100. Geburtstag von Frau Klima

Maria Klima mit ihren Trachtenpuppen, Wappen, dem Bild des Pfarrhauses Neppendorf in ihrem Wohnzimmer in Kirkel-Limbach, 2004. Foto: Jürgen Untch

 

Zum 100. Geburtstag von Frau Maria Klima geborene Liebhart ist folgender Artikel in der Siebenbürgischen Zeitung, Folge 16 vom 10. Oktober 2019, erschienen.

Neppendorf gratuliert Frau „Pfarrer“ Klima zum 100. Geburtstag

„Es kommt nicht darauf an, was man im Leben erreicht, sondern wen man erreicht.“ – Am 3. Oktober feierte Maria Klima im engsten Kreise der Familie ihren einhundertsten Geburtstag. Anlass genug, um an ihr Leben zu erinnern.

Geboren wurde sie in Schorsten, einer schönen sächsischen Gemeinde in Siebenbürgen. Hier verbrachte sie eine sorglose und frohe Kindheit im Kreise ihrer Familie zusammen mit einer Schwester und zwei Brüdern. Schon früh verließ sie ihr Heimatdorf, um in Hermannstadt die Volksschule und das Gymnasium zu besuchen. Danach folgten vier Jahre an der Landeskirchlichen Lehrerinnenbildungsanstalt in Schäßburg, wo sie im Sommer 1938 nach abgelegter Prüfung das lang ersehnte Lehrerinnendiplom in den Händen halten durfte.

Im Herbst desselben Jahres kam sie als junge Lehrkraft an die deutsche Volksschule von Neppendorf. Hier sollte sie ihr ganzes aktives Leben im Kreise der Gemeinde verbringen. Denn nach nur zwei Jahren, es war der 23. Mai 1940, wurde im Rahmen eines Präsentationsgottesdienstes in das Pfarramt von Neppendorf ein junger Pfarrer namens Dr. Hellmut Klima ernannt. Als die junge Lehrerin Maria Liebhart wegen ihrer Lehrerstelle in der Pfarramtskanzlei erschien, ergab sich ein langes Gespräch zwischen Pfarrer und Lehrerin, „das ich möglichst hinauszuziehen bemüht war, um mich an ihr zu freuen“, schreibt Dr. Hellmut Klima in seinem Tagebuch. Er beauftragte sogar den alten Kurator Liebhart herauszufinden, ob die junge Lehrerin verlobt und damit vergeben sei. Da dies nicht der Fall war, feierten sie am 29. Juni 1941 ihre Hochzeit. Die Trauung wurde von Bischof Staedel vollzogen. Den Spruch, den er dem jungen Brautpaar auf den weiteren Lebensweg gab, ist aus der Offenbarung 2, Vers 10 und lautet: „Sei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben.“ Aus Erfahrung im Umgang mit den Gemeindegliedern kann man wohl behaupten, dass das Ehepaar voll und ganz nach diesem Spruch sein privates und öffentliches Leben gestaltete. Die Eheleute folgten damit den alten Traditionen des evangelisch-sächsischen Pfarrhauses, ein Vorbild in der Gemeinde zu sein. So übernahm auch unsere Jubilarin die Rolle der Fra Motter in der Kirchengemeinde. Durch die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs wurde dieses Eheglück zeitweilig unterbrochen. Im Januar 1945 trat auch Familie Klima den schweren Weg der Deportation in die Arbeitslager der damaligen Sowjetunion an. Während Pfarrer Klima krankheitshalber nach einigen Monaten heimkehren durfte, sollte
Ihr inzwischen zur Heimat gewordenes Neppendorf war von dem Regimewechsel und dessen Folgen schwer betroffen. Der Staat enteignete die deutschen Mitbürger. Grund und Boden wurde ihnen weggenommen und mehrere Familien wurden von ihren Höfen vertrieben. So auch Familie Schaitz aus der Kirchgasse. Diese zahlreiche Familie wurde auf dem Pfarrhofe untergebracht. In dieser Zeit lebten auch die Schwiegermutter, Schwägerin sowie die eigenen Eltern auf dem Pfarrhof. Insgesamt waren es 25 Personen. Die Not schweißt die Menschen bekanntlich zusammen, doch wo so viele Menschen zusammen auf so wenig Raum leben, bleiben die Konflikte nicht aus. Durch ihre ganz persönliche Art konnte Frau Klima einen freundschaftlichen Umgang der Menschen untereinander und miteinander sichern. Als ausgebildete Lehrkraft stand sie ihrem Mann oft zur Seite, wenn es samstags hieß, am späten Nachmittag die Religionsstunden mit allen Klassen separat abzuhalten. Auch widmete sie sich ganz den ehrenamtlichen Aufgaben in der Gemeinde. Die Kranken und Bettlägerigen sowie kinderreiche Familien wurden von ihr regelmäßig besucht. In der Adventszeit wurden Päckchen für Hilfsbedürftige unter ihrer Leitung vorbereitet, um dann zu Weihnachten diesen Menschen eine kleine Freude zu bereiten.


Für ihren gemeinsamen Lebensabend hatte Familie Klima mit Hilfe der Gemeinde vorgesorgt. Die gemauerte Pfarrscheune wurde zu einer Alterswohnung umgebaut. Dieses neue Heim wurde für beide eine Oase des Friedens und durch die gesegneten Hände Frau Klimas ein Blumenparadies. Hier konnte sich Dr. Klima ganz seiner Tätigkeit als Historiker widmen. Durch seine unermüdliche Forschungsarbeit, die er natürlich schon vor Jahren begann, hat er die Grundlage für die drei Bücher, die Renate Bauinger nach seinem Tode veröffentlichen konnte, geschaffen. Wer diese Bücher kennt, kann sich vielleicht vorstellen, wie viel Arbeit und Zeit Pfarrer Klima hierfür brauchte. Er verfasste auch viele Monographien über von Deutschen gegründete Dörfer in Siebenbürgen. Da muss wieder unsere Jubilarin erwähnt werden, denn sie war es, die ihm den Rücken freihielt, um seiner Forschungsarbeit nachgehen zu können. Sie hielt den Alltag von ihrem Mann fern. Und dieser war nicht immer leicht zu bewältigen, wenn man die Schikanen des kommunistischen Systems kennt. Neben den Forschungsarbeiten als Historiker nahm er sich auch Zeit, Tagebuch zu führen. Angefangen hat er schon als 15-jähriger Schüler im Jahre 1930, seine letzte Eintragung stammt vom 29. September 1990. Eine Woche später, es war der 7. Oktober 1990, starb Dr. Hellmut Klima. Es folgte eine sehr schwierige Zeit für Frau Klima. Die Gemeinschaft im Dorf war im Begriff, sich durch ihr Auswandern nach Deutschland aufzulösen. So sah sie sich gezwungen, denselben Weg einzuschlagen. Doch vorher musste sie ihren Haushalt auflösen. Dabei halfen ihr die bekannten Frauen, die ihr auch in den letzten Nächten ihres Mannes beistanden. Auf diese Weise bekam sie Hilfe und Anerkennung von der einst großen Kirchengemeinde, der sie ihr Leben lang gedient hat, zurück. Was sich als noch viel schwieriger erwies, war die Sicherstellung des schriftlichen Nachlasses ihres Mannes. Mit Hilfe ihres Bruders Samuel Liebhart ist es gelungen, einen großen Teil seiner Arbeiten an das Kulturzentrum in Gundelsheim zu übergeben.

Nach ihrer Aussiedlung 1993 wurde sie in Limbach im Saarland ansässig, wo schon ihr älterer Bruder und ihre Schwester lebten. Was ihrem Mann in Rumänien nicht erlaubt war, konnte sie nun in Deutschland nachholen. Sie hat aus den umfangreichen Tagebüchern ihres Mannes zwei Bände veröffentlicht, es handelte sich um die schon erwähnten Aufzeichnungen von 1930 bis 1990. Der erste Band beschreibt die Jahre 1930-1945 und der zweite Band die Jahre von 1946-1990. Ihre Verbindung zu vielen einstigen Gemeindegliedern aus Neppendorf riss nie ab. Doch die Verständigung wird immer schwerer, da die Last der 100 Jahre auch an unserer lieben „Frau Pfarrerin“ nicht spurlos vorbei gegangen ist.

An dieser Stelle möchte ich ihr im Namen aller Landsleute für das langjährige Wirken und Schaffen in der Gemeinde danken und zum 100. Geburtstag alles Liebe, alles Gute, Gesundheit und Gottes Segen wünschen.

Eva Hoffmann

 

Ausschnitt aus der Siebenbürger Zeitung.

 

 

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